Ich bin mal wieder viel zu früh wach. Der innere Wecker klingelt um 7, bis halb 8 halte ich durch, dann stehe ich auf. Natürlich bin ich der erste und so kann mir auch noch niemand sagen, wo es eigentlich lang geht. Aber selbst ist der Mann und nachdem ich erstmal in die falsche Richtung gelaufen bin entdecke ich schließlich das eiserne Tor, hinter dem sich das Amphitheater und der Backstagebereich verbergen. Zum Glück ist es nicht abgesperrt, denn soviel Bewegung regt bekanntlich die Verdauung an.
Ich hole mir einen Kaffee, gebe Rührei in Auftrag und setze mich mit meinem Buch in den Schatten der Bäume. Nach und nach sehe ich die Kollegen aufschlagen und so manchem Gesicht ist noch deutlich die letzte Nacht anzusehen. So ganz auf der Höhe bin ich selber allerdings auch noch nicht…. Aber Kaffee und Rührei wirken Wunder und wegen mir kann der Tag jetzt kommen.
Das Buch habe ich auch bald durch und so gebe ich mich dem neuen Virus hin, den Thomas eingeschleppt hat. Den gibt es online und er heiß „crush the castel“. So ziemlich das dämlichste Spiel seit langem, aber irgendwie einfach lustig…
So geht er dahin, der vorerst letzte Tourtag. Um 16 Uhr machen wir kurz Soundcheck, dann stehen ein paar Meet and Greets an und um 17 Uhr sitzen wir in trauter Runde zusammen auf einen Schnack.
Das Abendessen steht ab halb 6 bereit und ist leider viel zu lecker um sich zu mäßigen. Der arme Murdock muss soviel Vanillepudding in sich hineinschaufeln, dass ihm furchtbar schlecht wird. Auch einige andere – darunter ich – kämpfen mit den zusätzlichen Kilos im Gepäck. Aber auch da gibt’s was von Absolut…
Irgendwie standen auf den Eintrittskarten und auf den Tickets unterschiedliche Anfangszeiten. Irgendwo war wohl sogar eine Vorband angekündigt. Laut Veranstalter sollen wir um halb 9 auf die Bühne, verlegen das aber eine viertel Stunde nach vorne. Schneller schaffen wir es nicht mit Umziehen… Dafür schicken wir aber noch jemanden raus, um den Fans, die sich schon die Beine in den Bauch stehen zu erklären, dass es länger dauert, als auf den Karten steht.
Gut gelaunt machen wir uns spielfertig und zum letzten Mal startet Andi das Intro zu „Vor der Schlacht“. Thomas hat sich nochmal ein extra langes Set ausgedacht und wir spielen noch einmal das best of aus 11 Jahren Bandgeschichte. Tatsächlich ist der 14.11.2008 schon fast wieder ein Jahr her! Unglaublich, wie schnell dieses Jahr vorbei gegangen ist!
Die letzte Show wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Knaller, denn Martin hat als kleine Überraschung noch eine Konfettikanone installiert, die er beim Schlussverbeugen abfeuert und uns und die Bühne in ein silbernes Glitzermeer verwandelt!
Wir legen uns schnell trocken und laufen wieder raus zu den Fans, die uns schon sehnsüchtig erwarten. Und dann steht sie noch an, die Zeremonie: Thomas Bühnenklamotte stinkt inzwischen wie ein toter Iltis im Raubtierhaus und er hat gelobt, sie nach diesem Konzert zu verbrennen. Das ist nicht ganz so einfach, wie gedacht, denn dazu müssen wir an den Main an eine offizielle Feuerstelle. Und hier passierts: Das Zeug löst sich in stinkenden gelben Rauch auf. Es ist vollbracht und wir können wieder auf Bühnenluft hoffen, die einem nicht die Lungen veräzt.
Zurück an Bord wird noch lange gefeiert, bis die Kojen rufen.
Jetzt ziehen wir uns erstmal eine Zeit zurück, um am neuen Album zu basteln, uns zu pflegen, den Akku wieder ganz voll machen um dann 2011 wieder mit aller Energie weiterzumachen.