Die Sonne spült mich samt eigenem Bratensaft aus der Koje, kurz bevor wir gegen 9 Uhr den Burgparkplatz erreichen. Wie so oft bei diesen Burgen hat ein netter Mensch eine Toilette direkt neben unserem Busparkplatz gebaut und ich suche Erleichterung und Erfrischung.
Anschließend nehme ich meinen Koffer und mache mich auf den Weg zur Bühne. Zumindest einmal in die Richtung, in der ich die Bühne vermute. Dummerweise mache ich den Fehler, der Beschilderung „Kultur auf der Burg“ zu folgen. Der steinige und für Rollkoffer völlig ungeeignete Weg führt mich zu einem eisernen Tor. Für das um diese Uhrzeit trotz zahlreicher Telefonate keiner einen Schlüssel zu haben scheint.
Also gehe ich den Weg zurück, begleitet von zwei netten Jungs in Schandmaul T-Shirts, die sich freuen, mir den Weg zeigen zu können.
Ich treffe Silke, die Veranstalterin von heute, die mir gleich unseren Backstageraum und das unfassbar großartige Catering zeigt. Ich bringe zwar morgens fast nix runter, aber das hier sieht schon alles recht verlockend aus.
Da der Tag noch jung ist und ich noch Zeit habe, breche ich auf in Richtung Altstadt. Hier war ich früher oft mit meinen Eltern und kenne die Martinskirche aus dem ff.
An der Isar ist gerade Dult und ich setze mich im Halbschatten etwas abseits des Trubels ans Ufer, schaue den Fischen beim Schwimmen zu und genieße den Sonnenschein, bevor es wieder an den Rückweg geht.
Inzwischen sind alle weiteren Bands eingetroffen und es herrscht mal wieder Klassentreffenstimmung. Eric Fish eröffnet heute mit seinem Soloprogramm und eine Stunde nach Einlass geht es um 16.30 Uhr los.
Im Anschluss kommen die Kollegen von der letzten Instanz und bereits um 19.45 Uhr heißt es schließlich für uns selbst: Showtime!
Wir treffen uns hinter der Bühne, die vor einem wahnsinnig schönen Stadtpanorama steht, verkabeln uns mit unseren In Ears und legen los. Das Konzert ist schon lange ausverkauft und die Stimmung im Publikum wie auf der Bühne ab dem ersten Ton am Sieden.
Wir genießen den Auftritt in vollen Zügen, bis es schließlich dunkel ist. Und mit der Dunkelheit, den Lichteffekten und der Lautstärke völlig überfordert kommen sie uns schließlich besuchen: Hornissen! Etwa 7 Nummern vor Schluss sind sie da. Zunächst denken wir an große Falter, die hat man ständig im Scheinwerferlicht flattern, aber nein, es sind tatsächlich große, schwarz gelb gestreifte Hornissen.
Zunächst fliegen sie noch in großzügigem Abstand an uns vorbei, werden aber mit zunehmender Verwirrung immer aufdringlicher uns setzen sich sogar in die Haare, auf die Arme und ins Gesicht. Solange man sich bewegt ist das nicht weiter dramatisch, da verschwinden die Brummer schnell wieder, doch bei „willst du“ sieht das plötzlich ganz anders aus. Da sitze ich ruhig auf meinem Barhocker und zähle irgendwann fünf Hornissen auf meinen Armen. Ich hab ja normalerweise kein Problem mit Insekten, aber in diesem Moment wird mir ein wenig mulmig zumute.
Hornissen sind ja allgemein als wenig aggressiv bekannt und auch in unserem Fall soll sich das bewahrheiten. Keiner wird gestochen und selbst die eine, die mir kurz unter die Bühnenklamotte schlüpft, findet den Weg nach draußen ohne Eskapaden.
Wir verabschieden uns schließlich von der Bühne und begeben uns in unser Burgzimmer, um uns umzuziehen und schließlich noch einmal den Weg nach draußen zu den Fans anzutreten. Hier gibt es Neben Autogrammen, Bier und Smalltalk jede Menge Fotos und schließlich geht’s zurück in den Burghof, wo wir mit den Kollegen noch einen Absacker trinken, bevor wir uns in unterschiedliche Richtungen auf den Heimweg machen. Ein Teil steigt wieder in den Nightliner, der Rest reist privat direkt nach Hause.
Jetzt heißt es zwei Wochen ausspannen und dann geht es an den Endspurt!