Wir treffen uns wie immer am Abfahrtstag zum Proben in den heiligen Hallen in Gröbenhell. Eine der neuen Nummern entpuppt sich ein wenig als Zangengeburt und wir rutschen noch einmal über den Song. Am Ende des Tages sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Jetzt muss etwas Zeit ins Land gehen und dann noch einmal mit ein wenig Abstand reingehört werden…
Kurz vor Mitternacht trudelt die gesamte Crew ein und wir klettern ALLE an Bord des Nightliners. Richtig, ALLE. Keiner fährt heute Zug oder Privatauto, sondern es ist alles so, wie es sich gehört. Außer vielleicht, dass Stefan Augustiner gekauft hat und wenn es etwas gibt, auf das ich Ausschlag bekomme, dann auf dieses als Biersorte getarnte Spülwasser! Zum Glück gibt es ein paar Dosen Becks und Wein.
Und irgendwann nach einem Schlummertrunk ruft mich die Koje, aus der ich gegen 7 Uhr in der Früh fast herausfalle. Kein Wunder, der Doppelstock muss die Serpentinenstrasse zur Loreley rauf und runter. Hier geht entweder Gas geben oder scharf abbremsen. Ich nutze die Wachphase für eine Zwischenentleerung der Blase und lege mich nach Ankunft am Festivalgelände noch einmal ein Stündchen aufs Ohr, bis ich endgültig genug habe aufstehe. Ruppi hat den heute den gleichen Biorhythmus und wir blicken gemeinsam in die Gegend. Wir stehen mitten auf dem Campingplatz, direkt neben den Dusch- und Toilettencontainern für die Festivalbesucher. Davor lange Schlangen. Ich dachte immer, ein echter Metalfestivalbesucher duscht nicht?!?! Auf alle Fälle wissen wir, dass wir uns hier NICHT anstellen werden und suchen eine weitere Toilettengelegenheit. Erst einmal verlaufen wir uns auf dem Minimetalmarkt, dann entdecken wir das Besucherzentrum. Hier gibt es saubere (!) und gepflegte Toiletten. Die Gelegenheit wird beim Schopf gepackt…
So erfrischt stürmen wir den Backstagebereich und werden in die Besonderheiten des Festivals unterwiesen. Rührei zum Frühstück gibt es nicht, dafür schneidet der Koch jede Scheibe Wurst einzeln auf. Wegen den Salmonellen… Kaffee gibt es auch schon und da wir die ersten vor Ort sind, dürfen wir uns einen Backstageraum im Containertrackt aussuchen. Ich wähle den mit Waschbecken und absperrbarer Tür. Kaum habe ich meine sieben Sachen sicher verstaut, fängt es an zu schütten. Und zwar richtig! Es kühlt in kürzester Zeit so ab, dass wir im Nightliner den Heizlüfter anschmeissen. Brrr…
Manche Festivalbesucher finden den Regen toll, bildet sich doch ein natürlicher Schlammfilm, in dem man sich volltrunken prima wälzen kann. Das zu beobachten macht aus dem Bus gleich doppelt Spass, weil die Fenster verspiegelt sind. Sprich: Wir können rausschauen, aber keiner rein. Und so fühlt sich mancher völlig unbeobachtet und ich fühle mich zum Teil wie vor der Glasscheibe im Schimpansenhaus vom Münchner Tierpark Hellabrunn…
Bei dem Pisswetter bleibt einem nichts anderes übrig, als sich irgendwo ins Trockene zu verziehen. In meinem Fall ist das der Bus. Bis gegen 17 Uhr die Wolkendecke aufreißt und die Sonne durchkommt! Da hält mich nichts mehr hier drinnen und ich erkunde frisch bratwurstgestärkt das Gelände. Nach einem gemeinsamen Meeting steht noch ein kleiner Videodreh für P.E.T.A auf dem Programm, bevor es mit der schier endlosen Warterei weitergeht. Dazu kommt, dass ich mit den meisten Bands, die hier heute spielen nicht viel anfangen kann. Erfrischende Ausnahmen stellen die Bands Wanderreigen und Sabaton dar, die gefallen mir, das hat was. Ansonsten heißt es Augen (und Ohren) zu und durch, bis wir kurz vor halb 10 endlich an der Reihe sind und damit das Warten ein Ende hat.
Eine Stunde Vollgas heißt es und man entdeckt im Publikum durchaus den einen oder anderen Skeptiker, vor allem in den hinteren Reihen. Meine persönlichen Highlights bei dieser Art Festival ist immer, wenn die scheinbar härtesten und zunächst gelangweilten Typen bei „dein Anblick“ plötzlich doch mitsingen müssen. So geschieht es auch hier wieder und wir verlassen grinsend die Bretter…
Dirk macht noch eine Überraschung in Form einer einigermaßen geputzten Dusche klar und nach und nach schreitet jeder zur Hygienisierung – obwohl Duschen kein Heavy Metal ist…
So erfrischt geht es an Bord und wir brechen auf in Richtung Heimat.