Gewaltige 97 Kilometer Landstrassenritt sind es von Nassenfels nach Dinkelsbühl. Aber das mit dem Sprinter habe ich ja bereits im letzten Tourbericht geschrieben… Mein Glück, denn so stehen wir bereits am frühen Morgen auf unserem Busparkplatz am Festivalgelände. Und um halb 7 hält mich nix mehr in der Koje, dieses Weißbier von gestern hat’s echt in sich. Hefe-Darmkur mit durchschlagender Wirkung! Zu allem Überfluss sind sämtliche Toilettencontainer abgesperrt. Kurz bevor ich in die freie Natur renne entdecke ich ein offene Damentoilette und nutze meine Chance! Unendlich erleichtert begebe ich mich wieder in meine Koje und schlafe noch einmal ein, bis ich gegen halb 10 endgültig genug habe und voller Tatendrang in den Tag schaue. Meine Euphorie wird kurz gebremst, als ich am Duschcontainer ankomme und die lange Schlange dort sehe. Ok, duschen ist kein Heavy Metal und so belasse ich es dabei, mein Gebiss zu bürsten und andere moderne Hygieneartikel zum Einsatz zu bringen. Duschen kann ich auch später noch...
Dafür erwartet mich im Cateringzelt eine angenehme Überraschung: Andy und Sven (der geneigte Leser erinnert sich an das Tourcatering zur A-Tour der Anderswelt…), unsere Lieblingsdickmacher sind heute für die Künstlerverpflegung zuständig. Das ist zum einen toll, weil’s einfach gut schmeckt, zum anderen, weil wir Schandmäuler dadurch in der Hierarchie schlagartig eine Stufe höher stehen. Kein Essensbon dabei? Egal! Nachschlag? Na logisch! Rührei zum Frühstück? Aber immer! So fängt der Tag dann doch gut an und ich vergesse kurzfristig die von langen Metallermähnen verstopften Duschabflüsse…
Von den Entfernungen her fühle ich mich etwas an Burghausen erinnert. Aber auch NUR wegen den Entfernungen. Ansonsten gibt’s hier weder Burg noch See noch das sonstige Drumherum. Aber eine lange Sandstrasse zur Bühne. Und von da geht es über das Festivalgelände und ich gebe mir zumindest für einen Kurzen Rundgang den Metalmarkt. Kleinwacken hier. Und die Aufdrucke auf den T-Shirts hab ich auch schon mal irgendwo gesehen. Trotzdem immer wieder lustig, quasi inkognito durch die Menge zu bummeln. Ein paar unterhalten sich sogar, wann unsere Autogrammstunde ist, denn die steht für 15.30 auf dem Programm.
Also pilgere ich die ganze Strecke zurück zum Catering, wo wir uns alle zum gemeinsamen Aufbruch treffen. Andy hat aus lauter Mitleid mit den gestressten Musikanten einen Averna besorgt und mir einen kleinen Becher eingeschenkt. Den nimmt man doch gerne, zumal das Weißbier mich nach wie vor in der Nähe der Toiletten hält. Vielleicht räumt ja der dunkle Italiener auf im Bauch?! Ein Versuch ist es wert…
Wir laufen los zum Metal Hammer Stand, vor dem sich eine wirklich gigantische Schlange gebildet hat und wir ahnen, dass aus der angesetzten halben Stunde nichts werden wird. Und in der Tat: Weit über eine Stunde sind wir beschäftigt, bis alle ihre Unterschriften und Fotos erhalten haben.
Jetzt ist es auch langsam allerhöchste Zeit, sich für die Show vorzubereiten, die um 18.15 beginnt. Umziehen, einspielen, rechtzeitig an der Bühne sein… Die Crew hat bereits alles umgebaut und gecheckt und es läuft alles problemlos. Wir machen unseren Händekreis und pünktlich wie die Maurer startet das Intro.
Los geht’s. Wir sind heute in Vollgasstimmung und das Publikum ist es ebenso. Schon vor dem ersten Ton werden wir mit Sprechchören gerufen und entsprechend famos ist die Stimmung. Thomas ist in Hochform und animiert das Publikum mit immer neuen Überraschungen. Ein harter Job bleibt uns dennoch: Der Amoklauf in Winnenden vor nicht allzu langer Zeit hat etliche Opfer gefordert, darunter Chantal, die ein großer Fan von uns war und Karten für das Summerbreeze geschenkt bekommen hatte. Auf ihrer Beerdigung wurde „Dein Anblick“ gespielt und so widmen wir ihr genau diese unsere letzte Nummer an diesem Tag.
Verschwitzt verlassen wir die Bühne und jetzt ist es soweit: DUSCHEN! Die Container sind zu meiner Freude auch noch frisch geputzt und leer und ich bin froh, bis nach der Show gewartet zu haben…
Ein letztes Mal nehme ich schließlich den Weg zur Bühne auf mich um Live of Agonie zu sehen, nach ein paar Nummern habe ich aber genug und außerdem ist bei uns jetzt bereits Abflug angesagt. Zurück zum Bus habe ich den einzig wahren VIP-Shuttle überhaupt: Ich werde von Peter im 40-Tonner mitgenommen und direkt vorm Nightliner rausgelassen. Da freut er sich, der Gitarrist!
Gegen halb 10 sind wir auf der Piste, liefern die Crew in Landsberg ab und erreichen kurz vor 1 Gröbenhell. Jetzt heißt es, schnell den Nightliner zu räumen, damit Floh weiter Richtung Heimat steuern kann, ich selbst steige ins Auto und fahre noch die zwei Stunden in meine niederbayerische Heimat Niederbayern, wo ich gegen halb 4 so müde ins Bett falle, dass ich nicht einmal mehr schaffe, die Hunde auf ihre Plätze zu schicken und von meinen vierbeinigen Gefährten umlagert einschlafe.