Es fängt ja schon gut an… Man nimmt mir meine E-Gitarre weg! Ich beschließe, eine Gewerkschaft zu gründen. Oder zumindest die Emanzipation des Stromgitarristen voran zu treiben… Es ist aber tatsächlich eine Akustikshow gebucht worden und so packe ich meine gute alte Westerngitarre und die sowieso längst liebgewonnene Flamenco aus und wir treffen uns am Vortag zum Proben. Erstaunlicher Weise macht es sogar richtig Spaß und ich beschließe, das mit der Gewerkschaft doch eher sein zu lassen. Morgen auf dem Summerbreeze darf ich ja wieder Krach machen…
Birgit und Anna haben am Samstag noch Konzerte und reisen privat hinterher, Stefan kommt auch selbst nach und Matthias entscheidet sich spontan für die Zuglösung. Das bedeutet, dass Thomas und ich als kümmerlicher Rest von Schandmaul mit der Crew im DOPPELSTOCK Nightliner sitzen. Ein Singledecker hätte es auch getan. Oder ein Sprinter und Hotel. So kann man aber mal das Gefühl erahnen, wie es ist, so einen Bus für sich zu haben. Glaubt mir, das ist total – bescheuert!!!! Zumindest kann sich niemand über Getränke oder Platzmangel beschweren….
Die Fahrt dauert dank Stau satte 2 Stunden und so kann ich direkt mal ganz gut schlafen. Kein Motor brummt, keine Kurven, keine Bremsungen. Irgendwann mischt sich lediglich Thomas Becks getuntes Schnarchen in das allgemeine Grundatmen. Aber der liegt weit genug von mir entfernt und hat extra Schallschutzvorhänge.
Gegen 9 Uhr bin ich wach und kann auch nicht mehr liegen bleiben, sonst platzt mir die Blase. Mit mir geistern bereits Danny und Cese durch die Gänge und wir beschließen, die Burg aufzusuchen. Die ist ausnahmsweise nicht auf einem Berg, der erklommen werden muss und auch keine zwei Kilometer lang, sondern liegt 200 Meter vom Bus entfernt ebenerdig direkt an der Straße. Die Bühne ist beste Zimmermannskunst und so groß wie eine Briefmarke, dafür aber echt Holz! Fast erwacht der kleine Pyromane in mir… Ich tanz den Feuertanz… summe ich vor mich hin und ertappe mich dabei, wie ich in mich hinein grinse. Das Grinsen vergeht den örtlichen Helfern spätestens, als sie den Truck voll Kisten sehen, die jetzt alle fein säuberlich über Schotterpisten und Wiese zur Bühne geschoben werden wollen. Schön, wenn sich die Räder ständig eingraben…
Das soll aber mein Problem nicht sein (wie war das mit der freien Berufswahl…) und so erkunde ich das hervorragende Catering, das stilecht im Gewölbekeller der Burg aufgebaut ist. Sehr urig, allerdings mit dem Nachteil, dass alte Gewölbe eine hohe Luftfeuchtigkeit mit sich bringen. Und das ist für Chips und Salzgebäck der Tod! Die schmecken dann wie gebrauchtes Klopapier und nachdem Allesfresser Murdock nicht dabei ist, lässt der Rest die Finger davon…
Thomas sinniert über den Namen „Nassenfels“ und kommt zu der Begründung, dass das wohl ein Schreibfehler ist und eigentlich „Nasenfels“ heißen muss. Denn das sind die Dinger, die er sich nach einer Nightlinernacht aus dem Riechorgan operieren muss…. An solchen Dingen seht ihr bereits, dass der Tag zwar entspannt, aber nicht übermäßig spannend verläuft.
Irgendwann werden wir zum Soundcheck zitiert. Anna steht im Stau und kommt später, aber wir legen schon mal los. Stefan, Hiasl und ich spielen heute wie in guten alten Zeiten mit Bodenmonitoren und nicht mit In Ear. Das ist einfach cooler bei so einer Akustikshow. Schließlich kommt auch Anna und wir beenden den Check gemeinsam.
Es ist bereits Einlass und in unserem Gewölbe wird weiter aufgetischt, dass wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Die Köchin wird von allen anderen nur „Mama“ genannt und es gibt einfach alles! Vom Gemüse bis zum Würstelkuchen, vom Dipp bis zur Fleischpfanne, vom Pudding bis zur Donauwelle… Zusätzlich muss natürlich das angeblich beste Weißbier der Welt probiert werden. Gutmann heißt es und ist in der Tat gut! Sehr gut! Aber, liebe Nassenfelser, das muss an dieser Stelle echt gesagt werden: Das Zeug räumt die Gedärme echt schnell und effektiv durch!
Stefan, Hiasl und ich beschließen in dieser wunderbaren Kulisse, heute in Lederbundhosen aufzutreten. Wenn schon Weißbier, dann stilecht!
Die Show selber wird ein ganz besonderes Erlebnis und ich bin fast schon mit der Situation ohne E-Gitarre versöhnt, da hat meine Akustische so extreme Rückkoppler, dass es kein Spass ist. Irgendwie dauert es ganze zwei Nummern, das in den Griff zu bekommen. Und das ausgerechnet bei Nummern wie Geisterschiff und Willst du. Wo die Gitarre mal ne tragende Rolle spielt. Ich beschließe, mich nur kurz zu ärgern, dann denke ich ans Summerbreeze und die E-Gitarre und greife bei „dein Anblick“ zur feedbacksichereren (was für ein Wort…) Lakewood mit Stahlseiten.
Nach der Show geht’s wieder raus zu den Fans, wir geben fleißig Autogramme bis es echt kalt wird und wir uns in Pullis und Jacken verpacken und in die alten Gewölbe zurückziehen.
Ich begebe mich zum Bus, trinke noch ein Absackerle und falle irgendwann todmüde in die Koje.