Na toll! Da ist es in Deutschland mal drei Tage am Stück sonnig und was machen wir?!? Fahren in die Schweiz, wo es aus Eimern gießt. Und im Vergleich zu den letzten beiden Tagen ist es entsprechen kalt. Saukalt sogar, zumindest in der Früh nach dem Aufstehen.
Ein kleiner Trupp bereits Erwachter macht sich also in strömendem Regen auf die Suche nach Essen, unserem Backstagecontainer und W-Lan. Das Essen ist das kleinste Problem, das finden wir sofort. Dafür hat sowohl der Musiker als auch der Techniker eine Nase! Die Schweizer lassen schon mal erkennen, dass die Wirtschaftkrise am letzten Berghang abgeprallt ist und mal wieder staune ich über hochglanzpolierte Jura Kaffeeautomaten aus Edelstahl. Und zwar in rauen Mengen! Ob die nicht die eine oder andere entbehren könnten? Würde meiner Küche auch gut stehen…
Wenn man den Namen „Schweiz“ hört, denkt man automatisch an Käse und Schokolade. Kaum einer weiß, dass dieses kleine Bergvolk tatsächlich unfassbar guten Wodka (!!!) machen kann. Den gibt es in optisch sehr ansprechenden roten Glasflaschen, die ein bisschen wie Grablichter aussehen und trägt den schönen Namen „Xellent“. Meine Tagesaufgabe besteht darin, 2 Flaschen von diesem Getränk zu organisieren und mit nach Hause zu nehmen. Organisieren bedeutet in diesem Fall, zum Tourleiter zu gehen und ihn zu bitten, einen Runner loszuschicken, der die Flaschen besorgt. „Tagesaufgabe“ ist also deutlich übertrieben…
Was bleibt einem, wenn es in Strömen gießt, man sich nach Sonnenschein sehnt und die Backstagecontainer total überfüllt sind? Ich wähle Variante B, begebe mich in den Nightliner, baue dort meinen Rechner auf und baue seit langem mal wieder Burgen. Und zwar bis kurz vorm Abendessen, zu dem ich dann auch pünktlich erscheine.
Je näher wir an unseren Showbeginn um 20 Uhr kommen, desto dünner wird die Wolkendecke, die ein paar Minuten vorm Startschuss sogar aufreißt und ein paar Sonnenstrahlen durchlässt. Zudem hört es auf zu regnen. Wahrscheinlich zieht das ganze Mistweiter gerade weiter nach Deutschland, wo wir morgen wieder sind…
Die Band auf der anderen Bühne hört pünktlich auf und wir können pünktlich loslegen. 70 Minuten haben wir und die nützen wir für ein Vollgasset quer durch alle Jahre Schandmaul. Immerhin wird es auch in der Schweiz die nächsten 1,5 Jahre kein Konzert mehr geben.
Verschwitzt verlassen wir die Bretter und jetzt lohnt sich das Duschen endlich! Gleich zwischen der Massage und dem Frisör (kein Witz!) befindet sich der Container zur Hygienisierung. Das tut gut vorm zweiten Abendbrot.
Als Hauptattraktion spielen gleich The Prodigy, die ich persönlich schon immer schrecklich fand, was Lichtgott Martin in keinster Weise nachvollziehen kann. Aber so ist das halt mit den Geschmäckern… Ich gebe mir die Show erst gar nicht, was an Gewummer in den Container knallt reicht mir völlig, und als Cese nach ein paar Minuten auftaucht und meint, dass vier Nummern völlig gereicht haben, fühle ich mich deutlich bestätigt.
Um 2 Uhr morgens legen wir schließlich in der Schweiz ab und kommen sehr gerne wieder auf dieses eigentlich sauschöne Festival, das bei schönem Wetter noch mal ganz anders wirkt als unter Regenwolken. Doch bis dahin müssen sich die Schweizer und wir noch eine ganze Weile gedulden, bis der 1. SC. Handmaul wieder auf Auslandstour geht.