Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag und anstatt wie der normale Durchschnittsdeutsche mit der Familie vorm Weihnachtsbaum zu sitzen, haben wir beschlossen, schlappe 700 Kilometer durch die Republik zu reisen und noch ein Konzert – genauer gesagt ein Festival – zu spielen. Genauer gesagt zu headlinen.
Ein mittelalterlich angehauchtes Festival mit den üblichen Verdächtigen…
Wie immer fängt alles am Vortag an. Es ist der 1. Weihnachtsfeiertag, also der 25.12.2008. Nach einem privaten Verwandtschaftsmarathon über Nürnberg und München treffe ich mich mit den Kollegen um 21 Uhr zum – ja, zu was eigentlich??? Wir besprechen die Setliste und ansonsten freuen wir uns einfach, uns nach ungefähr einwöchiger Abstinenz wiederzusehen. Proben müssen wir nicht, die Tour sitzt jedem noch in den Knochen und in den Köpfen.
Pünktlich um 00.00 Uhr steigen wir in den Nightliner und machen uns auf die lange Reise. Die sehr lange!
11 Stunden sind wir unterwegs, als wir endlich an der Halle eintreffen.Veranstalter ist ein alter Bekannter, nämlich unser alter Weggefährte Carlo Korte. Ein Unikum, den wir ebenso mögen, wie wir sein Catering hassen. Und mal wieder trifft er mit Packerlwurst und Co voll den Nerv der Zeit. Wir hatten nichts anderes erwartet, aber Carlo darf das ;-)
Unser Backstageraum liegt strategisch relativ günstig, also weit weg von den Gruselsäcken diverser Kollegen. So lässt sich manche Probesession akustisch zumindest einigermaßen ausblenden.
Zum Abendessen hole ich mir aus gegebenem Anlass eine Bratwurst mit Pommes vom Stand aus der Halle – hier soll auch ein Mittelaltermarkt sein, den sehe ich aber nicht. Oder sind damit diese 1,5 Buden da hinten in der Ecke gemeint???
Jetzt fängt wieder das schlimme Warten an, die wir uns im Bus vertreiben. Es gibt einen tollen selbstgedrehten Film zu sehen… Laßt euch mal überraschen…
Gegen halb 12 ist es soweit und wir betreten die Bühne. Die Halle ist ausverkauft, das Publikum gut drauf und wir ebenfalls. Es wird ein würdiges Jahresabschlusskonzert!
Nach der Show gehen wir noch zum Merch, um mit den Fans zu reden und unterschiedlichste Dinge zu unterschreiben. Das mit dem Unterhalten wird ziemlich schwierig, weil ein paar Kollegen ihre Gruselsäcke ausgepackt haben und unsere Autogrammstunde beschallen. Dabei kommt mir eine großartige Idee für kommende Festivals. Ich werde einfach in Zukunft meinen kleinen Brüllwürfel einpacken und genau dann, wenn es keiner braucht, mit britischer Einstellung ACDC und andere Klassiker der Rockgeschichte zum Besten geben. Oder so ;-)
Backstage heißt es jetzt, den Abend mit ein paar bekannten Nasen und ein paar Getränken den Abend ausklingen zu lassen, bevor wir an Bord gerufen werden und uns auf eine ewige Heimreise machen. Wir erreichen Gröbenzell erst gegen 16.30 Uhr, ich steige in mein Auto und fahre noch mal 2 Stunden bis nach Hause. Jetzt heißt es, ein paar Tage die Füße hochlegen.