Es ist so dunkel im Bus, dass ich denke, es ist tiefste Nacht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir jedoch, dass es bereits gegen Mittag ist und ich krieche aus der Koje. Der Bus steht unter einem Vordach, das jeden Lichtstrahl fernhält. Ich laufe in die Halle, die – im typischen Sporthallencharme – einfach groß ist. Auch die Backstageräume sind eher Gänge und von einem Punkt zum anderen läuft man sich schon mal ne Hacke wund.
Unsere Tour ist inzwischen umbenannt in „Kotzbrockentour“ oder wird auch liebevoll „Lazaretttour“ genannt. Frei nach dem Motto „Virus, Virus, du musst wandern…“ ist es ein bisschen wie Kegeln für Anfänger: Welches Männchen fällt heute um? Am Nachmittag schlägt es erstmal bei Anna ein. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Bis eine halbe Stunde vor der Show geht außer Liegen und Klo gar nichts mehr.
Wir fangen an, unsere Lieder umzudichten. Die Texte könnten in Zukunft zum Beispiel so aussehen:
Ich kack mich frei – auf den Schüsseln dieser Welt
Endlich frei – weil hier auch kein Korken hält
Und ich spür des Virus’ Macht
Wenn unter mir die Schüssel kracht…
Oder so ähnlich….
Diverse Medikamente und mentale Powersprüche später steht Anna wieder auf zwei Beinen, packt sich in ihr Bühnenoutfit und schminkt sich das blühende Leben ins Gesicht. Die Backliner stellen am Bühnenrand einen Stuhl und einen Eimer bereit und die Sanies werden instruiert und einer neben Anna abgestellt.
Die Show beginnt, Anna kämpft und kämpft und kämpft. Und schafft das Unglaubliche: Sie hält die Show durch, blüht sogar zusehends auf. Da soll noch mal irgendwer behaupten, Musik hätte keine therapeutische Wirkung! Da macht sogar so ein Scheißvirus schlapp…
Nach der Show gehen wir zu fünft zu den Fans, Anna wird in die Koje gepackt und wir feiern noch ein wenig den ersten Tourtag mit den Instanzlern. Es scheint alles gut zu sein, bis… ja bis das nächste Männchen fällt. Das Hinterfotzige an dieser Sache ist, dass es dir von einer Sekunde auf die nächste die Schuhe wegzieht. Eben stand ich noch neben ihm in Catering und hab über den Hasenbraten philosophiert, jetzt muss man seinen Koffer zum Bus tragen. Martin ist das nächste Opfer. Und Tanja folgt kurz danach…
Wir begeben uns wieder alle an Bord und starten die Lazaretttour in ein weiteres spannendes Kapitel und sind gespannt auf die Überraschungen, die uns die letzten Tortage noch so bringen werden…