Der neue Bus hat Plastikbettwäsche und Kopfkissen, die sind so groß, dass man sie als Decke verwenden kann. Und ebenfalls aus Vollfaserkunststoff mit der „großartigen“ Neigung, sofort wieder den Ursprungszustand anzunehmen. Im Klartext: Hat man sich das Kissen zurecht gestopft, dass man den mitgenommenen Musikerschädel bequem darauf betten kann, bewegt sich dann aber z.B. im Schlaf, sieht das Kissen aus wie vorher: Quadratisch, flach, riesig. Gut, dass ich mein kleines Privatkuschelkissen dabei habe, das rettet mir dann noch die Nacht und ich werde in den Morgenstunden von Schraubarbeiten geweckt. Schraubarbeiten? Träum ich??? Nein, tue ich nicht. Bei diesem nagelneuen Bus ist der Punkt zwischen Hinterachsbremse und Kupplung fehlerhaft eingestellt und als der Bus einen Satz nach vorne macht, büßt John den linken Außenspiegel ein. Die sind bei den neuen Teilen auch mit Sollbruchstellen gebaut. Für den Fall, dass Der Spiegel mit einem Fahrradfahrerkopf zusammentrifft, bleibt der Kopf dran, der Spiegel fällt ab…
Toll sieht er aus, der neue Spiegel. So silber. Passt zum restlichen Vollblau. Ich verlasse den Bus und mache mich auf in den Klub. Letztes Mal waren wir hier in einem April, da war es warm, die Sonne schien. Heute ist es kalt und bei diesem Wetter merkt man erst, dass es in den Backstageräumen aus jeder Ritze zieht. Dazu funktioniert die Heizung nicht und als Notbehelf sind Gasstrahler aufgebaut, die es zumindest etwas wärmer als draußen werden lassen. Meine Jacke behalte ich aber an…
Anders sieht es schon im Produktionsbüro aus, hier sind die Fenster dicht und ein Elektroraditor sorgt für angenehme Wärme. Von der will jeder was abhaben und so entsteht in Windeseile eine wahre Laptopburg, weil jeder seinen Rechner noch irgendwo dazwischen quetscht.
So vergeht der Tag, viele sind noch etwas angeschlagen, Backliner Danny hat es in der Nacht voll erwischt, die hat er auf dem Busklo verbracht und heute hängt er ziemlich in den Seilen. Murdock übernimmt das Ausladen mit den Hands, damit sich Danny etwas erholen kann.
Irgendwann trudeln die Kollegen von der letzten Instanz ein, es gibt ein großes Hallo und wir sind dran mit Soundcheck. Der geht wie immer in den letzten Tagen schnell und es wird Zeit fürs Abendessen. Immer noch etwas vorsichtig nehme ich mir eine Kleinigkeit und setze mich bis kurz vor der Show wieder in den einzig warmen Raum: Das Produktionsbüro.
Kaum ist Einlass, ändert sich das schlagartig. Der Saal ist schnell gesteckt voll und mit den Zuschauern steigt die Temperatur schlagartig und rapide an. Zur Instanz ist die Luftfeuchtigkeit nahe am Aquarium und als wir die Bühne entern, beginnt es irgendwann Kondenswasser von der Decke zu regnen. Über Stefan, Hiasl und mir läuft ein Stahlträger, der sich ab der Hälfte der Show zur Dusche entwickelt. Braune Tropfen fallen auf uns herab. Lecker…
Die Stimmung ist super und nach 2 Stunden verlassen wir völlig durchnässt die Bühne. Jetzt ab unter die Dusche und trockene Klamotten angezogen! Raus zu den Fans, die uns bereits erwarten und die nächsten 1,5 Stunden auf Trab halten. Dann heißt es hinsetzen, entspannen, Flüssigkeit aufnehmen.
Heute falle ich wie ein Stein in meine Koje und schlafe sofort ein.
Hipp Höpp