Ich bin so was von im Arsch! Halb 6 ins Bett, um 9 weckt mich meine innere Uhr wieder, rumwälzen bis um halb 11, dann reicht es mir und ich steh auf. Wir stehen in Bremen direkt am Hafen, überall Wasser um uns rum, und Schnee! Eine absolute Seltenheit hier im Norden. Auf der Fahrt sind wir schon an etlichen Unfällen vorbei gefahren. Hier sind Winterreifen eher ein Fremdwort und wer dann noch meint, den Schneepflug vor ihm mit seinen Sommerreifen überholen zu müssen… da fehlen mir als wintererprobtem Vielfahrer die Worte…
Die Pier 2 ist eine Stahlblech-Hafenhalle und ein „Wunderwerk“ an Wärmeisolation. So ne doppelte Blechwand macht es richtig kuschelig… Im Backstageraum im ersten Stock hängt tropfenweise Kondenswasser an der Decke und als der Schnee darauf schmilzt, zeigen sich einige Lücken im Dach. Nämlich genau dort, wo es reintropft… Trotzdem empfinde ich das Pier 2 als eine angenehme Halle, wesentlich konzerttauglicher als beispielsweise das Aladin. Hier haben wir richtig Platz auf und vor der Bühne, man kommt ungefährdet darauf, es stehen keine Säulen im Weg und der Hafen ist eine wesentlich schönere Umgebung als die Großindustrie.
Nach einem vierfachen Espresso und einem kleinen Frühstück setze ich mich an meinen Rechner und mache mich an meinen täglichen Bürokram bevor ich beschließe, mich noch mal in meine Koje zu kuscheln. Zumindest bis zum Soundcheck…
Der ist wie immer um 16 Uhr und dauert gerade mal 10 Minuten. Das ist das tolle mit eigenem Monitorpult und –Mann. Das ist irgendwann so eingegrooved, dass alles sehr schnell auf dem Punkt ist. Im Prinzip muss man nur auf die jeweilige Halle nachregeln.
Nach dem Soundcheck stehen etliche Interviews an die wir verteilt durchziehen. Und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendessen. Schweinsbraten mit Kartoffelknödeln und diverse andere Leckereien. Dazu La Brass Banda, die man durch die Stahlwände, die Kälte genauso wenig abhalten wie Schall ungefähr so gut hört, als würde man neben dem Schlagzeug sitzen. Mit Dauerblechschepperuntermalung. Dann doch lieber von neben der Bühne geschaut, da hört man zumindest die Blechwand nicht mehr…
Es ist an der Zeit, sich umzuziehen und auf den Abend einzustimmen. Kollektives Versammeln in der Garderobe, Anstoßen, Händekreis mit Schlachtruf und ab geht’s auf die Bühne. Der Laden ist ausverkauft und die Stimmung im Publikum bombig! Ich selbst brauche heute ein paar Nummern, um ins Konzert zu finden, mir sitzt die Müdigkeit doch ganz schön in den Knochen. Aber meine Mitmusiker und die Fans lassen mir gar keine andere Wahl und irgendwann ist er da, der Flow!
Nach dem Umziehen kommen wir wieder raus zu den Fans und werden von einer unglaublich netten Security bewacht. Die leuchten uns mit ihren Taschenlampen, dass wir beim Unterschreiben besser sehen, die zeigen den Fans, wo welcher Musiker steht, die lächeln sogar!!!!
Als der letzte Fan die Halle verlassen hat, kletter ich an Bord und halte nicht mehr wirklich lange durch. Um halb 3 ruft mein Kopfkissen so laut, dass ich seinem Ruf folge und sehr schnell sehr tief schlafe.