Das wahrhaft Schlimmste, das man sich antun kann, ist MC Donald zum Frühstück. Wenn man das dann noch mit schlechtem Tankstellenkaffee zu verfeinern versucht, wünscht man sich doch gerne mal einen Kübel…
Auslöser für mein frühmorgendliches Dilemma ist folgende Situation: Wir müssen heute eine Punktlandung hinlegen. Sprich, wir können erst um 14 Uhr auf den Rheindampfer MS Rheingold, auf dem heute unser Fantreffen stattfinden wird. Wir sind gegen Mitternacht losgefahren und stehen jetzt etwa 50 Kilometer vor Koblenz an einer Autobahnraste. Mit fürchterlichem Kaffee und noch schlimmerem Burger. Aber immerhin gilt es 5 Stunden tot zu schlagen. Und nicht zu verhungern. Und beim goldenen M denkt man komischerweise immer, da kann man nichts verkehrt machen. Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben diesem Irrtum noch aufliegen werde.
Diverse schlechte Zeitschriften und ein paar Flaschen Wasser später ist es endlich 13 Uhr und wir fahren weiter. Über die Autobahn, quer durch Koblenz bis zur Anlegestelle. Hier parkt auch schon unser Dampfer. Wir stürmen an Bord und machen uns mit den Örtlichkeiten vertraut. Etwas stutzig werden wir, als uns ein netter Matrose den Konzertsaal zeigt, indem für uns schon 2 DJ-Tische vorbereitet sind. DJ-Tische??? Entsprechend tief fällt so manche Kinnlade, als unser 40-Tonner an der Anlegestelle vorfährt und eine schier unendliche Schlange aus Kisten und Cases die Reling hinab in den Schiffsbauch rollt. Hier gibt es einen kleinen Aufzug, in den aber nichts reinpasst und so dürfen die Mischpulte und richtig großen Kisten die kleine Wendeltreppe aufs Mitteldeck gewuchtet werden.
Ich halte mich da raus, hole mir mit Anna eine Bratwurst, um endlich den Burgergeschmack loszuwerden und wir setzen uns aufs Oberdeck in die Sonne, um aus sicherer Entfernung das bunte Treiben zu beobachten. Großartig, wie viele formschöne Kisten an uns vorbei ziehen. Das verleitet mich dazu, schwärmerisch ein kühles Bierchen zu öffnen und dem fleißigen Volk zuzuprosten.
Anna merkt inzwischen, dass das Schiff schaukelt und das findet sie gar nicht gut. Seekrankheit lässt grüßen! Burkhart steht ihr da in nichts nach und unser Teufelchen wünscht sich das Ende der Rundfahrt herbei, ehe es angefangen hat…
Schließlich ist alles aufgebaut, wir machen einen kurzen Soundcheck und dann ist schon Einlass! Ein Bild für Götter! Ein ganzes Schiff voll Fledermäusen und anderen lustigen Gestalten. Das finden auch die Menschen, die am Rheinufer stehen. Begeistert winken sie uns hinterher und Hiasl wünscht sich einen Rhein nach Dachau, so geil findet er das Ufer. Da müssen wir aber noch ein bisschen Geld für verdienen…
Leider passen nicht alle 600 Menschen aufs Mitteldeck und so spielen wir zweimal ein jeweils leicht unterschiedliches Set. Mit einem besonderen Schmankerl: Schandmaul-Live-Karaoke. Mutige Fans dürfen ans Mikro und aus voller Kehle singen. Es ist ja immerhin kein Konzert an sich, sondern ein Fantreffen.
Es ist schon unbeschreiblich lustig, auf einem fahrenden Dampfer Musik zu machen. Allerdings müssen wir uns und dem Publikum nach der zweiten Nummer das Hüpfen verbieten. Zum einen produziert das enorme Bugwellen, zum anderen gibt der Boden des Mitteldecks einfach nach und der Kapitän bekommt Angst um sein Schiff. Das ist wohl doch eher DJ tauglich gebaut….
Vor, zwischen und nach den Sets haben wir Gelegenheit auf einen Schnack mit mehr oder weniger bekannten Gesichtern, ein oder zwei kühle Bierchen…
Gegen 1 Uhr werden wir von Bord gekehrt und sitzen mit den letzten Übriggebliebenen am Ufer auf ein letztes Bier (oder war es das vorletzte?), bevor Mutti uns an Bord ruft und wir nach Kronach aufbrechen. Morgen ist Fußbimmelalarm!