Die Nacht hätte so schön sein können! Nach einer gemütlichen Fahrt und kuscheligen Stunden in der Koje (das obligatorische Bierchen davor nicht zu vergessen – oder waren es zwei???) schlugen wir um 9 Uhr am M’era Luna auf. Woher ich das so genau weiß? Weil ich schier aus der Koje falle vor lauter Elektrobeatsoundcheckindreifacherlautstärke.
Die ersten Lärmattacken baue ich geschickt in meine Träume ein. Doch irgendwann ist die Penetranz dieser „Musik“ stärker. Er erwacht. Endgültig aus der Koje reißt mich eine Ansage der ersten Band auf der Mainstage. Man stelle sich gebrüllt folgendes vor:“ Ihr seid nicht gut!!! Ihr werdet alle sterben!!!“ Aha! Da hat jemand den Sinn des Lebens verstanden, aber muss man deswegen so brüllen??? Wo ich schon mal wach bin, erhebe ich mit und erledige wichtige Morgengeschäfte. Nach der Grundhygienisierung falle ich im Catering ein. Es gibt Würstchen mit Rührei und Bratkartoffeln. Da ist mir jetzt danach.
Die lieben Bandkollegen verlassen ebenfalls ihre Kojen und wir treffen uns alle zum Frühstück und zur Besprechung der Vorproduktion. Und dann beginnt ein wahrer Interview-Marathon! Von 13.30 bis 17 Uhr reiht sich ein Interview ans nächste und wir unterstützen abwechselnd Thomas, damit der seine Stimme ein wenig schonen kann. Um 17 Uhr ist dann Autogrammstunde. Das erste Bier wird geöffnet und wir sind uns einig, dass Elektromucke auf Dauer erstens nervt, zweitens irgendwie immer gleich klingt und drittens ziemlich nervt. Oh, ich wiederhole mich ;-)
Die Band vor uns ist irgendwann auch endlich vorbei mit ihrem Stakkatokiddimetall und wir ziehen uns gemütlich um. Und dann starten wir das Kontrastprogramm. Das M’era Luna ist ja eher das Schwarzkittelfest, umso erstaunlicher ist es immer wieder, dass man auch hier bereitwillig feiert. Es dauert etwa drei Nummern, dann haben wir sie und es wird ein gemeinsames Fest!
Jetzt schnell umziehen und ab ans Abendessen, bevor das vor unserer Nase weggeräumt wird.
Als Headliner spielen Tool, die sich schon den ganzen Tag aufführen, als hätten sie das Festival gekauft. Von der sonst großen Bühne bleibt für alle anderen Bands heute noch eine Bühnentiefe von etwa 5 Metern, weil die Herrschaften den Rest mit ihrem Zeugs zuballern. Das ist mal richtig „kollegial“…
Ich steuere noch mit Anna, Hajö und meiner kleinen Schwester zum Stand von Aderlass (www.aderlass.de), um mich mit Bühnenklamotten einzudecken. Und werde tatsächlich fündig. Drei Hosen/Röcke und drei Oberteile zieren jetzt neu meine Garderobe. Und nun sitze ich im Bus und sinniere, dass ich erstens kein Tool-Fan bin (die spielen gerade), zweitens gerne ein Bier hätte und drittens die Birgit gerade ihren Junggesellinnenabschied feiert…
Also raus und an der Bühne vorbei ins Backstage, wo der Rest von uns sitzt. Noch einen Blick auf Tool geworfen. Da sehe ich unseren Tontechniker Jochen vor mir. Freudig springe ich auf ihn zu, nehme ihn von hinten in den Schwitzkasten und brülle im über den Lärm hinweg ins Ohr, was ich von der Musik, die gerade läuft, halte.
Als sich Jochen zu mir umdreht, sehe ich, dass es gar nicht Jochen ist, sondern ein Wildfremder, der mich völlig entsetzt anschaut. Uuuuuuuuuuuups, sorry, Alter!!!
Ich fliehe backstage, um mit Birgit noch mal anzustoßen, dann muss ich Danny noch einen Wirbel einrenken und beende den Abend mit einem Fläschen Wasser im Bus.