Wer Wacken nicht kennt: Das ist ein beschauliches kleines Örtchen in der Nähe von Itzehoe, ein gutes Stück nördlich von Hamburg. Etwa 950 Kilometer von München, oder anders gesagt: 14 Stunden mit dem Bus. Wacken ist nun nicht wirklich eine Ortschaft, die man kenn muss, aber das alljährlich weltweit größte Heavy Metal Festival ist doch immer eine Reise wert. Nun fragt sich vielleicht der geneigte Leser, was Schandmaul mit Heavy Metal gemeinsam hat. Rischtisch, eigentlich soviel wie eine Gazelle mit einem Panzernashorn. Relativ wenig. Trotzdem, auch bei uns erklingt eine E-Gitarre und E-Gitarre ist hier eben pauschal Heavy Metal.
50 Kilometer vorm Ort des Geschehens ist fast jeder seinen Träumen erwacht und wir machen Rast an einem Autohof. Heiß ersehnt wird die Toilette gestürmt und anschließend das Petit Bistro, wo man für wenig Geld viel Spülwasser-Kaffee bekommt.
Nachdem sich jeder ein wenig erfrischt hat geht es weiter. Vorbei an gefleckten Kühen. Bis wir endlich in Wacken einlaufen. Seltsamer Weise steht an jedem zweiten Haus ein großes Schild: Zu verkaufen! Hmmmm, also doch nicht ganz so beschaulich? Zumindest scheint es einige Menschen hier ziemlich zu nerven, dass ihre Vorgärten einmal im Jahr zur öffentlichen Toilette umgewandelt werden und zahlreiche Kinder in ihren Blumenrabatten gezeugt wurden…
Wir fahren an vielen schwarz Gekleideten Festivalbesuchern vorbei zum Check In, wo wir unsere Pässe bekommen und weiter aufs Festivalgelände rollen, wo der Nightliner neben vielen anderen Bussen parkt. Ich schlender jetzt erstmal übers Festival. Es hat die letzten Tage geschüttet und gegen das Schlammbad wurde Stroh verteilt. Das brennt ganz prima und so ist die Feuerwehr gerade dabei, einen Strohbrand zu löschen. Auf dem Boden liegen die ersten Alkoholleichen, oder sind die noch vom Vorabend übrig?
Im Backstagebereich beziehen wir unseren Container und stürmen das Cateringzelt. Das ist schön groß und lässt Großartiges erwarten, doch weit gefehlt! Es gibt tonnenweise Aldi-Plastikkisten-Sushi. Wer das – wie ich – nicht mag (ich hasse Sushi!!!), der kann sich die Tüten-Sandwichs nehmen. Ich entscheide mich für Kaffee und lasse das Essen Essen sein. Und dann werde ich rücksichtslos überrannt. Von der Langeweile. Ich mache unglaublich viele nötige und unnötige Dinge, doch so ganz los werde ich sie bis zum Auftritt nicht mehr. So kaufe ich mir einen tollen Totonkopf-Laptopkoffer, gehe zur wunderbaren Free-Massage, laufe beim Gibson-Bus ein, um mich meinen Ansprechpartnern mal persönlich vorzustellen und bewundere das neue Tronical Stimmsystem. Wird euch aber jetzt alle wohl eher weniger interessieren…
Dann versuche ich es noch mit E-Mail-Schreiben und Burgenbauen, es nützt alles nichts. Endlich gibt es Abendessen. Die Freude schlägt allerdings in Frust um, als sich das Catering auch jetzt wieder als Vollflopp. Ich entscheide mich für ein Becks, da kann man nicht viel verkehrt machen.
Jetzt fährt unser Truck zur Bühne und es gibt was zum Sehen. Toll! Cases werden durch die Gegend geschoben!
Langsam tickt die Uhr weiter und endlich können wir uns umziehen, anstoßen, hinter der Bühne aufstellen. Ich muss zugeben: Heute bin ich nervös! Waren bei der Autogrammstunde am Nachmittag schon erstaunlich viele Menschen, so ist es jetzt gespickt voll vor der Bühne! Dann geht’s los, das Intro startet, wir entern die Bühne und für die nächsten 75 Minuten rocken wir das Festival. Als beim Anblick tausende Feuerzeuge angehen, bekommen wir alle Gänsehaut und das wunderbare Gefühl, genau das Richtige zu tun.
Euphorisch feiern wir den Auftritt, bis uns Dirk gegen halb 4 in den Bus ruft.